Bisher gibt es nur Artikel von Neckar-chronik.de
Rock gegen Rechts 09.05.07
Pünktlich zum 12. Mai: Eine Demo-CD von „Tante Inge“ aus
Horb
HORB (ael). Gibt es das Gegenteil der „Böhsen Onkelz“? Die
„Liehben Tanten“ vielleicht? Es sieht so aus… – denn die Horber Band „Tante
Inge“ hat rechtzeitig zur Anti-Nazi-Demo am kommenden Samstag, 12. Mai, eine
Demo-CD im wörtlichen Sinne herausgebracht. Kostenlos!
Pfefferspray und Ketchup gegen NPD-Aktivisten 06.05.2007
FREUDENSTADT
(tol). Am Samstag griffen Vermummte einen NPD-Stand in
Freudenstadt an. Einige NPD-Aktivisten wurden dabei leicht verletzt.
(tol). Mit Genehmigung der Stadt Horb stellte der
NPD-Kreisverband Schwarzwald-Baar in der Freudenstädter Neckarstraße vor einem
Geschäft am Samstag einen Informationsstand auf. Gegen 11.40 Uhr waren laut
Polizeiangaben etwa acht bis zehn NPD-Aktivisten am Stand, als aus dem
Kaiser-Parkhaus ebenfalls acht bis zehn schwarz gekleidete und vermummte
Personen auf die Gruppe zurannten und sie sowohl mit Pfefferspray als auch mit Ketchup
bespritzten.
Die Angegriffenen setzten sich zur Wehr, die Angreifer
flüchteten nach kurzer Zeit. Dabei gelang es den Angegriffenen, einen der Täter
festzuhalten und der Polizei zu übergeben. Der festgehaltene Angreifer musste
kurzzeitig im Krankenhaus behandelt werden, da er vom Pfefferspray eines
Kumpels getroffen wurde. Einen weiteren Tatverdächtigen stellte die Polizei in
einem Geschäft. Beide Tatverdächtige kommen nicht aus Horb. Die angegriffenen
Personen erlitten durch die Attacken leichte Verletzungen.
Vermummte attackieren NPDler 07.05.07
„Keine Neonazis in Horb!“ – auf einmal waren sie mittendrin
/ Die Stadtverwaltung hat‘s verschwiegen
HORB (ik/ael). Die NPD hat von der Stadtverwaltung Horb
einen Info-Stand in der Neckarstraße unter Auflagen genehmigt bekommen: für den
Samstag. Der Stand wurde laut Polizei und Staatsanwaltschaft gegen 11.40 Uhr
von Vermummten mit Pfefferspray und Ketchup angegriffen. Es gab Verletzte auf
beiden Seiten. Die Stadtverwaltung hatte die NPD-Aktion geheimgehalten – nicht
einmal das Organisations-Komitee der Bürger-Initiative „Keine Neonazis in Horb“
hatte davon erfahren. OB Michael Theurer bedauert das (siehe auch das
AUSSERDEM).
in Horb“ – unter dieser Überschrift lädt die gleichnamige
Horber Bürger-Initiative zu einem Umzug, einer Kundgebung und einem Bürgerfest
ein, die sich gegen den Neonazi-Aufmarsch am kommenden Samstag, 12. Mai,
richten. Die Stadtverwaltung hat sich diesem Aufruf angeschlossen,
Bürgermeister Hans Jürgen Pütsch saß sogar in der Planungs-Besprechung der
Initiative, Oberbürgermeister Michael Theurer war beim Pressegespräch der
Bürger am Freitag dabei. Trotzdem waren Neonazis – mit Wissen der
Stadtverwaltung – mitten in Horb, ohne dass die Bürger-Initiative davon wusste.
Barbara Staudacher aus dem Organisations-Komitee kam am Samstag zufällig an dem
NPD-Stand vorbei: „Ich war total überrascht. Ich war total vor den Kopf
gestoßen.“ Wie konnte es dazu kommen? Die SÜDWEST PRESSE hat bei OB Theurer
nachgefragt. Seine Antwort: „Ich kann’s Ihnen nicht erklären, warum die Info
nicht weitergegeben wurde.“ Die Verwaltung habe den Informations-Stand der
Partei wohl nur aus ordnungsrechtlicher Sicht betrachtet und nicht durch die
„politische Brille“: „Es ist bedauerlich, wenn Ordnungsverwaltung und politische
Führung nicht ineinander greifen.“ Theurer sagte, er habe den geplanten
NPD-Stand – „salopp formuliert“ – bei dem Pressegespräch „nicht auf dem Schirm
gehabt“. Nach Rückfrage beim Bürgermeister teilte er mit, dass Hans Jürgen
Pütsch davon ausgegangen sei, dass die Bürger-Initiative von dem NPD-Stand
weiß. Während in Horb außer der Stadtverwaltung niemand von der NPD-Aktion
gewusst zu haben schien, hatten offenbar gewaltbereite Nazi-Gegner davon
erfahren. Im Polizei-Bericht heißt es: „Gegen 11.40 Uhr befanden sich rund acht
bis zehn NPD-Aktivisten an dem Stand, als aus dem Kaiser-Parkhaus ebenfalls
acht bis zehn schwarz gekleidete und vermummte Personen auf die Gruppe
zurannten und diese sowohl mit Pfefferspray als auch mit Ketchup bespritzten.
Die Angegriffenen setzen sich zur Wehr, so dass die Angreifer nach kurzer Zeit
flüchteten. Dabei gelang es den Angegriffenen, einen Täter festzuhalten und der
danach eintreffenden Polizei zu übergeben. Der festgehaltene Angreifer musste
kurzzeitig im Krankenhaus behandelt werden, da er von dem Pfefferspray eines
Kameraden getroffen wurde. Ein weiterer Tatverdächtiger konnte in einem
Geschäft gestellt werden. Beide Tatverdächtigen kommen nicht aus Horb. Die
angegriffenen Personen erlitten durch die Attacken leichte Verletzungen.“ Aus
verwaltungsrechtlicher Sicht lautete die Bilanz: Die NPD hat Auflagen bekommen,
die laut OB eingehalten worden sind.
Auf der Internetseite, die für die Horber Neonazi-Demo
eingerichtet wurde, liest sich der Vorfall aus Sicht der NPD so: „Brüllend
rannten sie aus einem rund 30 Meter entfernten Parkhaus auf die Aktivisten zu.
Bewaffnet waren die Angreifer mit Ketchupflaschen und Pfefferspray. Sie nahmen
bewusst in Kauf, dass das Eigentum der Freiheitskämpfer beschädigt wird und
Menschen bei dem Angriff verletzt werden. Allerdings hatten die Angreifer wohl
nicht mit der aktiven und äußerst effektiven Gegenwehr gerechnet. Man ging
ebenfalls auf die Angreifer zu und hinderte sie aktiv an ihrem Vorhaben, was
leider nur teilweise gelang. Die mitgebrachten ,Waffen’ wurden entwendet und
gegen die Angreifer eingesetzt. Bei dieser kleinen Auseinandersetzung gelang
es, einen der Antifaschisten festzuhalten. Als die anderen sahen, dass sie sich
wohl mit den Falschen angelegt hatten, ergriffen sie feige die Flucht und
ließen ihren Genossen zurück. Natürlich wurde sich gleich um den leicht
verletzten Antifaschisten gekümmert. Schließlich war es nicht die Absicht der
Aktivisten, dass bei diesem Vorfall Menschen verletzt werden. Er erzählte uns
dann von sich selbst aus, was wir wissen wollten“ – woher die Nazi-Gegner kamen
und wer sie über den NPD-Stand informiert hatte.
Ein Bürger, der zum Augenzeugen der Auseinandersetzung
geworden ist und die SÜDWEST PRESSE davon informierte, schilderte die
Ereignisse anders. Er berichtete, dass in der Neckarstraße „Linke“ von „Nazis“
verprügelt würden – einem „Linken“ sei mit dem Schuh ins Gesicht getreten
worden. Diese Version des Tathergangs war der Freudenstädter Kriminalpolizei
bis gestern nicht bekannt. Ob die vermummten Angreifer einer politischen
Gruppierung zuzuordnen sind, ist ebenfalls noch nicht geklärt. Die Ermittlungen
dauern an – die Polizei bittet um Zeugen-Hinweise.
An dem Stand des NPD-Kreisverbands Schwarzwald-Baar waren
laut Polizei zwei Personen, welche die Neonazi-Demo am 12. Mai angemeldet
haben. Von den selbst ernannten Freiheitskämpfern sind nach eigenen Angaben so
genannte „Schulhof-CDs“ verteilt worden. Mit der Musik versuchen Neonazis,
Jugendliche für ihre Ideologie zu interessieren. Zudem haben die NPD-Vertreter
Flugblätter verteilt, um die „Einwohner von Horb“ über den Aufmarsch am 12. Mai
zu informieren. Diese „Bürger-Information“ schließt mit der Ankündigung: „Wir
sehen uns in Horb – ob Sie es wollen oder nicht.“ Als Verantwortlicher im Sinne
des Presse-Rechts wird ein „S. Glaser“ mit Horber Postfach-Adresse genannt. Auf
denselben Namen – in diesem Fall mit Dornhaner Adresse - ist die Internetseite
der „Aktionsgruppe Württemberg“ angemeldet. Diese Gruppe ist nach Erkenntnissen
der „Autonomen Antifa Freiburg“ in die Horber Aufmarsch-Organisation
verwickelt.
Gewalt gegen Neonazis ist kontraproduktiv 07.05.2007
Die Pfefferspray- und Ketchup-Attacke auf einen NPD-Stand in
Horb zeigt, dass Gewalt gegen Neonazis nicht nur aus ethischen Gründen abzulehnen,
sondern obendrein kontraproduktiv ist. Was haben die „Vermummten“ am Samstag
erreicht? Sie haben den NPD-Anhängern einen Gefallen getan, weil jene jetzt im
Internet einen „recht erfolgreichen Tag für die Nationalen Sozialisten aus dem
Kreis Freudenstadt“ feiern können – verbunden mit dem Hinweis: „Die Bürger der
Stadt Horb konnten bei diesem Ereignis wieder einmal mehr sehen, wer den
öffentlichen Frieden stört und vom wem die Gewalt ausgeht.“
Solche Attacken nehmen Neonazis dankbar in ihre Propaganda
auf, um sich als Opfer darzustellen und von ihren menschenverachtenden Zielen
abzulenken: Wenn Neonazis hingegen unter sich sind, fordern sie beispielsweise
in Liedern zum Mord an Juden, Christen und Dunkelhäutigen auf.
In einem Flugblatt an die Horber Bürger verkünden die
Neonazis bezüglich der Presse-Berichterstattung: „Schlechte Werbung ist besser
als gar keine Werbung.“ Dass sie diese „Werbung“ in Wirklichkeit wurmt,
dokumentieren sie mit ihrer internen Auflage für den Aufmarsch am 12. Mai: „Der
Presse werden keine Interviews gegeben.“ Der Grund: Selbst wenn führende
Neonazis Interviews geben, verplappern sie sich regelmäßig in der Hinsicht,
dass sie ihre wahren Ziele preisgeben – und nicht nur für eine alternative
Energie-Versorgung und den Tierschutz stehen, wie sie gerne Glauben machen
möchten. Keine Rhetorik-Schulung ist gut genug, um die menschenverachtende
Ideologie vertuschen zu können. Und wenn „Fußsoldaten“ bei Aufmärschen
Interviews geben, dann ist das der Alptraum eines jeden Führungskaders.
Bleibt noch die Frage, wie die „Autonome Antifa“ auf den
Vorfall vom Samstag reagiert, sofern die Ketchup- und Pfefferspray-Aktivisten
zu einer Antifa-Gruppe gehören sollten. Die SÜDWEST PRESSE hat gestern eine
Anfrage an mehrere „Autonome Antifa“-Gruppen in Baden-Württemberg gerichtet, ob
sie – ähnlich wie das im bayerischen Gräfenberg geschehen ist – eine Erklärung
abgeben, in der sie sich zu einem Gewalt-Verzicht für den kommenden Samstag
verpflichten.
An dieser Stelle sei aber auch darauf hingewiesen: Antifa
ist nicht gleich Antifa und Autonome Antifa nicht gleich Autonome Antifa. Das
Spektrum der Antifaschisten reicht von Neonazi-Rechercheuren (die teilweise
besser arbeiten als viele staatlichen Ermittler) bis hin zu Kriminellen (die
Steine und Latten auf Polizisten und Neonazis werfen) – dementsprechend
unterschiedliche Antifa-Gruppen gibt es.
Sollten am kommenden Samstag militante Nazi-Gegner nach Horb
kommen, so ist allerdings nicht zu erwarten, dass sie aus dem bürgerlichen
Umzug heraus handeln werden. Denn die Demo-Route und die Kundgebung auf dem
Flößerwasen sind zu weit von den Neonazis entfernt, als dass sich von dort aus
Steine werfen ließen. Der Flößerwasen liegt aber nahe genug, damit die Horber
und andere friedliche Demonstranten gegenüber den Neonazis klarmachen können,
dass sie in Horb nicht geduldet werden – zum Beispiel mit Transparenten und
Sprech-Chören. Ael
|